Wie gut das es die Wirtschaftskrise gibt. Hat man doch endlich etwas gefunden das man für vieles wenn nicht gar für alles was schief gelaufen ist verantwortlich machen kann. Krisen gehören zum Leben. Ob auf der privaten, der wirtschaftlichen oder der politischen Ebene - Krisen passieren. Man stellt sich ihnen mutig entgegen, krempelt die Hemdsärmel hoch und, da heutzutage eine positiv optimistische realitätsferne Haltung angesagt ist, macht man den Obama „Yes we can“. Wir werden eine Lösung finden. Die Krise selbst ist etwas unpersönliches, nicht greifbares. Man sieht sie nicht aber man spührt ihre Auswirkungen. Und die Auswirkungen greifen immer zum Nachteil in das Leben, den Alltag des Einzelnen hinein, verändern das Leben der Menschen.
Die Krise um die es hier geht ist die allseits bekannte „Wirtschaftskrise“ die im Sept 2008 mit der Insolvenz der Lehmans Brothers Bank ihren Anfang nahm und deren Auswirkung kein Land und auch viele Organistaionen nicht verschont hat und – wie ich befürchte – weiterhin nicht verschonen wird.
Am 22. Juni 2009 präsentierte die Deutsche Aids Stiftung im Rahmen einer Pressekonferenz ihren Geschäftsbericht (pdf Datei) des Jahres 2008 und – da der Tenor oder vielmehr die „Interpretation der Zahlen des Geschäftsberichtes“ ungünstig ausgefallen ist, setzte die Deutsche Aidshilfe „neue Schwerpunkte bei Hilfen„.
So heißt es in ihrem Pressebericht unter anderem:
Die Wirtschaftskrise ist auch an der Deutschen AIDS-Stiftung nicht spurlos vorbei gegangen. Die Stiftung konnte ihre Nettoerträge aus Spenden und ähnlichen Zuwendungen im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr zwar um 295.000 € erhöhen, gleichzeitig gingen die Kapitalerträge aber um rund 275.000 € zurück. Die Stiftung reagierte auf diese Entwicklung mit Einsparungen im eigenen Bereich sowie durch die Verschiebung der Schwerpunkte bei ihren Hilfen. Letzteres ist auch durch den medizinischen Fortschritt und die verbesserten Therapiemöglichkeiten in Deutschland begründet. „Sinkende Einnahmen zwingen uns dazu, unsere Unterstützung auf die Bedürftigsten zu konzentrieren“, so Dr. Christoph Uleer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen AIDS-Stiftung.
Erträge
Schaut man sich die Zahlen des Geschäftsjahres 2008 an (Geschäftsbericht Seiten 32/33) so wird man feststellen das die Erträge Euro 3.406.627 trotz zurückgehender Zinsen und sonstigen Kapitalerträge gegenüber 2007 , dem Vorjahr, Euro 3.387.312 leicht gestiegen sind.
Aufwendungen
Des weiteren erkennt man das die Aufwendungen für Öffentlichkeitsarbeit um Euro 68.988 von Euro 207.366 auf Euro 138.376 zurückgegangen sind. Mit anderen Worten: Mit weniger Aufwand wurden im Jahr 2008 mehr Spenden eingenommen. Die gestiegenen Personalaufwendungen von Euro 955.504 gegenüber dem Vorjahr Euro 929.854 fallen daher auch nicht ins Gewicht, da diese auf Grund der um Euro 68.988 verminderten Aufwendungen für Öffentlicheitsarbeit gut aufgefangen werden konnten.
Bei den Aufwendungen stellt sich jedoch hier schon die Erste von vielen Fragen: Was waren die Ursachen für den Rückgang der aufgewendeten Unterstützungsleistungen? Betrugen sie noch in 2007 Euro 1.829.994 so hat man im Geschäftsjahr 2008 nur Euro 1.636.452 i.e. um Euro 190.542 weniger aufgewendet.
Bzgl der „gewöhnlichen“ Geschäftstätigkeit hat man bis hierhin ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr/Ergebnis gehabt, das, was die Zahlen betrifft, in einem Plus von Euro 445.434 gegenüber dem Plus vom Vorjahr Euro 167.583 seinen Ausdruck findet.
Auch bei den sonstigen Erträgen ist ein leichter Anstieg um Euro 17,051 auf Euro 127.915 gegenüber dem Vorjahr Euro 110.864 zu verzeichnen.
Sonstige Aufwendungen
Bei den sonstigen Aufwendungen von Euro 503. 104 reibt sich der Laie – der ich nun mal bin – verwundert die Augen. Sind diese doch von Euro 164.781 um Euro 375.189 angestiegen.
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen beinhalten alle restlichen Kosten, die zusätzlich zum operativen Geschäft gehören.
Auf Grund des guten Ergebnis aus den „gewöhnlichen“ Geschäftstätigkeiten schreibt man bis jetzt schwarze Zahlen. Also Durchatmen solange es noch geht.
Außerordentliche Aufwendungen
Außerordentliche Aufwendungen für das Jahr 2008 Euro 841.685. Euro 0,00 waren es im Vorjahr.
Zu den außerordentlichen Aufwendungen gehören Kosten, die nicht durch die ordentliche Geschäftstätigkeit entstanden sind (z.B. Spekulationsverluste, Beteiligungsverluste usw.).
Hier schlägt nun die die vielzitierte Krise zu Buche. ABER . . . . . . es ist erst mal nur ein theoretischer, rein rechnerischer, buchhalterischer, Bilanz Wert. Zum Zeitpunkt der Erstellung der Bilanz ermittelt man den gegenwärtigen Wert seines Vermögens. Nichts weiter. In der Kasse würde dieser Wert nur dann zu Buche schlagen wenn man per sofort die Anlagen verkaufen würde. Man würde unter Wert verkaufen was bedeutet das man heute weniger erhält als zu dem Zeitpunkt an dem man die Anlage gekauft hat.
Was die Rendite betrifft – auch dies ist erst mal nur ein rechnerischer Wert. Wenn der Wert einer Anlage steigt dann ergibt sich zum einen ein Gewinn wenn man die Anlage verkaufen würde. Zum anderen steigen die Zinsen und Dividenden i.e. die Erträge. Bei einem sinkenden Wert der Anlage bekommt man bei einem Verkauf weniger als das was man zum Zeitpunkt des Erwerbs investiert hat. Insofern, fällt der Wert der Anlage dann fallen die Zinsen und Dividenen auch niedriger aus.
Was die Erträge betrifft, es ist eine Frage der Sichtweise. Niemand verkauft idr eine Anlage wenn er nicht MUSS, wenn der Erlös unter dem Anschaffungswert liegt. Also behält man die Anlage. Auf Zinsen und Dividende übertragen heißt das kleinere Erträge. Einen geringeren Ertrag auf Grund niedrigerer Zinsen und Dividenden mit den „Hohen Erträgen“ vorhergehender Jahre zu vergleichen und zu bemängeln ist im Fall der Deutschen Aids Stiftung „Jammern auf hohem Niveau“.
Hier ist dringend Erklärungsbedarf vorhanden. Die Rechtfertigung wie sie hier zum Ausdruck gebracht wird ist nichts weiter als Augenwischerei, um es höflich auszudrücken. Die bisherigen Zahlen, Spenden, Zuwendungen, Zinsen und sonstige Erträge, sprechen eine andere Sprache, sagen das Gegenteil aus.
Die Stiftung kann nur mit dem Geld helfen, welches ihr von Spenderinnen und Spendern zu freien Zwecken oder Zweckbestimmt für Hilfen in Deutschland gegeben wird. Wenn diese Beträge zurückgehen, kann die Stiftung weniger helfen. Ondamaris
Eine der unmittelbaren Folgen davon ist, das die Deutsche Aids Stiftung ab sofort die Übernahme des Mehrbedarfes für kostenwaufwendige Ernährung bei Inhaftierten HIV Positiven in Höhe von Euro 30 pro Monat gestrichen hat. Die Verpflegung für HIV Positive im Gefängnis ist alles andere als „Gesundheitsstärkend – unterstützend“. HIV Positive und AIDS Kranke haben, soweit sie ALG II, Grundsicherung, Sozialhilfe oder unter der Grundsicherung liegen einen gesetzlichen Anspruch auf Mehrbedarf für kostenaufwendige Ernährung – Krankenkostzulage. Leider gilt dies nicht wenn man inhaftiert ist. Dies hat bisher die Deutsche Aids Stiftung übernommen.
Und dennoch ist die Deutsche Aids Stiftung in der Lage Euro 200.000 dem vorhandenen Stiftungskapital zuzuführen. Unter börsenspezifischem Blickwinckel betrachtet macht es durchaus Sinn zu kaufen wenn die Kurse „im Keller“ sind. Allerdings darf man bei der derzeitigen „Geschäftsführungs – Erklärungsbedarf und Zielsetzungs Politik“ – und wie wir wissen wird Politik von Menschen gemacht - frei nach Lukas „den sie wissen nicht was sie tun“ konsterniert sein Haupt schütteln.
Warum dies so ist – nun das offenbart ein weiteres Problem das weitaus größere Folgen für HIV Positive hat als das vermeintlich oben aufgeführte, das nichts weiter als der mißglückte Versuch einer fadenscheinigen Rechtfertigung für Handlungen sind die nicht nur realitäts – lebensfern sondern nur noch wenig mit dem ursprünglichen Ziel und der Aufgabe der Deutschen AIDS Stiftung zu tun hat.
Wenn viele besonders stark von HIV und AIDS betroffene Menschen ihre Lebensqualität eher über Hilfsprojekte erhalten können, wird die Stiftung auch mehr für Hilfsprojekte wie z.B. betreutes Wohnen oder betreute Kranken(gruppen)reisen ausgeben. Diese Menschen sind unter allen HIV-positiven Menschen dann die Bedürftigsten.
“Die Deutsche AIDS-Stiftung ist seit ihrer Gründung 1987 in der Einzelhilfe dafür eingetreten HIV-positiven Menschen ein Mehr an Lebensqualität zu erfüllen, als durch die staatliche Grundsicherung abgedeckt wird.” Ondamaris
Und genau aus dieser Einzelhilfe zieht sich die DAS jetzt heraus.
“Die Mehrzahl der Antragstellenden befinden sich in einer dauerhaft angespannten finanziellen Situation und nicht in einer einmaligen. Aufgrund ihrer finanziellen Lage und auch unter Hinweis auf die Satzung kann die AIDS-Stiftung individuelle Hilfe aber nur in Härtefällen leisten.” Ondamaris
RICHTIG – DIESE Situation wie es die DAS bezeichnet, ist politisch gewollt, ist das Ergebnis einer politischen Entscheidung: Kürzungen im sozialen Bereich die im SGB XII durch Leistungsstreichung ihren Niederschlag finden.
Seit HARTZ IV werden Leistungen wie z.b. Strom nicht mehr von den Sozialämtern übernommen. Zuzahlungen zu Zahnersatz, eine neue Brille und mögliche Reparaturen für eine defekte Waschmaschine sind gestrichen da dies alles im Regelsatz enthalten ist. Hygienezuschläge sind als Mehrbedarf gestrichen worden und “können” wenn überhaupt dann nur noch im Einzelfall auf Antrag des behandelnten HIV Facharztes gewährt werden.
“Da muß man sich eben vom monatlichen überwiesenen Regelsatz etwas für solche Notfälle schlechte Zeiten zurücklegen”.
Es geht nicht um Reisen sondern um die Bewältigung des ganz normalen alltäglichen Alltages von HIV positiven Menschen die auf finanzielle Mittel in Höhe von Hartz IV oder ALG 2 angewiesen sind und Tagein Tagaus ihr Leben zu bewätigen versuchen, damit leben müssen. Das ist politische Realität – politischer gewollter Alltag.
Wenn meine Waschmaschine heute kaput ist dann kann ich keine Wäsche mehr waschen sondern muß den nächsten Waschsalon aufsuchen. Nebenwirkungen der Medis bzw HIV bedingt es das dieser Gang mehr als nur beschwerlich wenn nicht gar unmöglich ist.
Stromnachzahlungen die heute nicht mehr übernommen werden bedingen das HIV Positive – falls die Bank da mitspielt – ihr Konto gegen Wucherzinsen überziehen müssen und das ja auch wieder ausgeglichen werden muß, was zur Folge har das man im nächsten Monat noch weniger Geld zur Verfügung hat. Selbst das simple Besohlen von Schuhen wird zu einem Problem da dieses Geld dann für Lebensmittel fehlt.
Was hat also die hier beschriebene Ursache mit der Situation dem Alltag wie viele HIV Positive leben müssen mit der Entscheidung der DAS zu tun, die sich aus der Einzelfallhilfe rauszieht und ihr Engagement verlagert? Die DAS bestimmt wofür sie ihr Geld ausgeben will und möchte.
“Wenn viele besonders stark von HIV und AIDS betroffene Menschen ihre Lebensqualität eher über Hilfsprojekte erhalten können, wird die Stiftung auch mehr für Hilfsprojekte wie z.B. betreutes Wohnen oder betreute Kranken(gruppen)reisen ausgeben. Diese Menschen sind unter allen HIV-positiven Menschen dann die Bedürftigsten.” Ondamaris
Das heißt dann im Kartext: Lieber HIV Positiver. Wir sehen das es Dir schlecht geht, aber halte durch bis genügend Wohnprojekte bezugsfertig sind. Dann empfangen wir Dich mit offenen Armen – dann hat Deine Not ein Ende. Hier unsere Projekte über die Du dich schon mal freuen kannst. Du wirst sehen – die Freude wird deine Löcher in deinen Schuhen überdecken, deinen Hunger den Du ab dem 20. eines jeden Monats hast wird sich in Luft auflösen.
9 Appartements im Jean-Claude-Letist-Haus in Köln-Weidenpesch – Grundsteinlegung im Juli 2009
9 Personen im Wohnprojekt Günter-Fischer-Haus in Essen
23 Personen in einem Projekt in der Reichenberger Straße Berlin
Also halte durch . . . und denke daran AUCH DU kannst einer der 41 Glücklichen Bewohner in unseren Projekten sein. Die restlichen zig Tausend HIV Positiven die von und mit HARZT IV leben müssen haben unser Mitgefühl. Also haltet durch und beißt Eure nicht vorhandenen Zähne zusammen.
Wir werden Euch ein ehrenhaftes Andenken bewahren.
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Die Spendenbereitschaft wird möglicherweise dieses Jahr erheblich nachlassen. Allerdings ist die Ursache nicht nur in der Finanzkrise zu suchen bzw mit ihr zu begründen.
Die Spendenbereitschaft und das Spendenaufkommen der früheren Jahre beruhte auf einem Bild von AIDS das Leid, Siechtum und Schrecken offenbarte und verbreitete. Dieses „alte Bild von AIDS“ exitisert heute nicht mehr. Seit der Möglichkeit verschiedenen HIV Medikamente zu kombinieren hat sich das Bild von AIDS gewandelt. Das „neue Bild von AIDS“ berührt – erschreckt niemand mehr sodaß er sich genötigt fühlt zu spenden. In Afrika jedoch sieht es anders aus. Die Bilder zeigen nach wie vor Leid, Not und Siechtum. Menschen reagieren auf Visuelles, auf Bilder stärker als auf das geschriebene Wort, was bedingt das mit „Afrika“ die Spendenbereitschaft nach wie vor ungebrochen vorhanden ist.
Das Bild vom „Neuen AIDS“ in Deutschland drückt keine sichtbare not – kein sichtbares elend mehr aus. Gleichwohl gibt es diese Not seit inkrafttreten der neuen Sozial Gesetzgebung. Das hat die DAS auch in ihrer Pressemitteilung zum Ausdruck gebracht.
Das neue Bild von AIDS IN DEUTSCHLAND ist komplexer geworden. Mag die Not auf den ersten Blick nicht sichtbar sein – sie ist vorhanden. Dieses „Neue Bild von AIDS“ muß entdeckt, entwickelt und visuell umgesetzt werden. Hier sind die Positiven gefordert wenn wir tatsächlich “über unser Schicksal mitbestimmen wollen” und hier sind Organisationen wie die DAS gefordert wenn sie ihrem Anspruch den sie haben gerecht werden wollen.
Für die Medien: Es wird Zeit das man wieder zu den Wuzeln des Journalismus zurückfindet. Recherche tut nicht weh, ist nur mit Arbeit verbunden. Vorgekautes unreflektiert von irgendwelchen Nachrichtenagenturen zu übernehmen, gibt ein einseitiges Bild wieder, bestärkt bestehende Vorurteile, fördert Unwissenheit und schafft ein Klima des Gegeneinander anstelle des Miteinander.
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Zahlen : Rot = 2008, Blau = 2007
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Quellen - Ähnliche Beiträge zu diesem Thema:
Deutsche Aidshilfe setzt neue Schwerpunkte bei Hilfen
Jahresbericht DAS 2008, Seiten 32/33 – pdf Datei
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